Über Zukunftsängste und dem Hang zum Nostalgischen

Über Zukunftsängste und dem Hang zum Nostalgischen



Oktober, Herbst, mein Geburtstagsmonat. Eigentlich ist der Herbst etwas Schönes: die Blätter ändern ihre Farbe von sattem grün zu goldbraun, langsam wird auch etwas Vorweihnachtsstimmung spürbar, man verbringt den Sonntag im kuschligen Bett oder macht einen ausgiebigen Herbstspaziergang zu zweit. Und doch mache ich nichts von all dem.



Der Herbst hat für mich immer etwas melodramatisch und nostalgisches an sich. Vielleicht liegt es am Nebel und dem unfreundlichen Wetter, vielleicht bin ich aber schlicht und ergreifend so. Ich bin ein Mensch, der gerne in Erinnerungen schwebt, über vergangene Dinge immer und immer wieder nachdenkt und gerne „tagträumt“. Ich denke mir alle möglichen Szenarien aus und vergesse niemals Dinge, die jemand einst zu mir gesagt hat und lasse diese auch oft Revue passieren. Man kann sagen, ich bin ein Buch mit vielen Seiten, in dem viele Wörter, Sätze und Fragen niedergeschrieben wurden. Manche Dinge sind klar und deutlich, andere wurden durchgestrichen oder sind mit der Zeit etwas verblasst. Seiten wurden entfernt und wieder hineingeklebt. Ich höre gerne traurige Lieder an einem Sonntag oder lese mir dramatische Sprüche oder Quotes durch. Ich sage ja, dramatisch!

Ich schwebe unfassbar gern in schönen Erinnerungen und fühle mich manchmal wie eine alte Schachtel die „Früher war alles besser“ jammert und etwas erzürnt darüber ist, dass manche Dinge sich im Laufe der Zeit einfach geändert haben. Aber so ist das nun Mal mit dem Erwachsenwerden oder? Die Zeit bringt vieles mit sich, aber ganz sicher keinen Stillstand. Sie läuft nicht rückwärts und man kann auch niemals auf Pause drücken, obwohl ich sicher ein großer Fan dieser Funktion wäre und ebenfalls die Erste in der Schlange bei Saturn.

Das Erwachsenwerden bringt vieles mit sich, aber vor allem bringt es eines: viele Fragen, wenig Antworten. Traumberuf und Uniabschluss, check. Seit September mache ich außerdem meinen Master. Hinsichtlich dieser Dinge kann ich mich kaum beschweren, weil mir mein Beruf riesige Freude bereitet und mein Studium auch spitzenmäßig läuft. Ich weiß nicht, ob ich der einzige Mensch bin der sich ab & an denkt, ob es für mich überhaupt einen passenden Partner gibt. Ich hab ganz konkrete Vorstellungen, wie meine Zukunft aussehen soll & genau das bereitet mir hin und wieder Kopfzerbrechen. Werde ich jemals heiraten oder eine schicke Dachgeschoßwohnung mit meinem Verlobten einrichten? Werde ich jemals Kinder haben?  Mit 18 habe ich mir keinerlei Gedanken über solche Dinge gemacht, aber mit bald 26 sieht das Ganze dann doch etwas anders aus. Unbeschwertheit und Leichtigkeit wurde gegen Verantwortung, Hosenanzüge und Waschmittel getauscht. Es liegt sicher auch daran, dass rundherum um mich viele heiraten, Kinder bekommen oder sich verloben, wodurch man sich oftmals selbst sehr unter Druck setzt. Die Zeiten, wo ich bis 7 Uhr morgens im Club tanzte sind vorbei oder werden zumindest immer seltener und jetzt frage ich mich: Was nun?

Die Wahrheit ist, ich weiß es nicht. Es ist schwierig in der heutigen Zeit jemanden zu finden und sich den Worten „für immer“ zu verschreiben, da man ja meistens auf der Suche nach „etwas besserem“ ist. Die meisten Leute sagen Sachen wie „Es kommt schon noch jemand“ oder „Du hast so viele Möglichkeiten jemanden kennenzulernen“. Ach ja echt?

In meinem Beruf finden sich zu 90% Frauen, auf meiner FH gibt es Leute, die mich 3 Wochen davor schon fragen, ob ich für die Prüfung bereits gelernt habe und tatsächlich in Pubs fortgehen und in der U-Bahn finde ich die Fahrscheinkontrolleure auch nicht mega anziehend. Nein Barbara, es bieten sich mir nicht unendlich viele Möglichkeiten. Barbara ist außerdem seit 5 Jahren vergeben, heiratet nächstes Jahr und geht unter der Woche um 21 Uhr schlafen. Also nichts für ungut, dass ich hier dann doch etwas zu schwitzen anfange und Barbaras Optimismus nicht verstehen kann.

Jetzt aber genug mit dem Schwarzmalen. Sollte es euch ähnlich gehen, will ich euch nur damit sagen, es ist normal und ihr seid sicher nicht alleine mit solchen Gedanken. Möglicherweise ist Zeit wirklich beides: Der Stressfaktor & gleichzeitig der Schlüssel zum Glück. 


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Photos by Lenamaria.s
 


















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